03 Mai 2007

Lustig ist das Touristenleben...

Der Garchinger Journalist Patrik Stäbler hat im Sommer sein Studium beendet. Nun erfüllt sich der 27-Jährige einen Traum: In sieben Monaten reist er einmal um die Welt. An dieser Stelle berichtet er alle zwei Wochen von seinen Erlebnissen.

Ushuaia, Argentinien (ps) ist - es steht im Reiseführer, an jedem Souvenirshop und auf dem Ortseingangsschild - die südlichste Stadt der Erde. Ihr Slogan lautet Fin del Mundo: das Ende der Welt. Hat man nicht gerade 3.000 Euro für eine Antarktis-Expedition übrig, ist dies eigentlich der einzige Grund für einen Besuch. Trotzdem steht die Stadt auf der Reiseroute vieler Touristen. Sie lassen sich mit dem Fin del Mundo-Schild ablichten, holen sich im Postamt den Fin del Mundo-Stempel für den Reisepass und manch einer besucht sogar das Museum Fin del Mundo, das mit vergilbten Fotos und ausgestopften Vögeln von moderatem Interesse ist. Für Ushuaia ist der Titel ein Segen: Auf der Touristenmeile reihen sich Hotels, Restaurants und Läden, die vom Aufkleber bis zum gigantischen Stoffpinguin jegliche sinnfreie Andenken verkaufen.
Doch Ushuaia ist nicht der erste Touristenort mit zweifelhaftem Besuchswert, in den es mich auf meiner Reise verschlagen hat. Spitzenreiter hierbei ist Neuseeland. Zufällig landete ich dort in Taihape, der selbst erklärten Gummistiefel-Hauptstadt der Welt. Um Touristen anzulocken, platzierten die Stadtväter einen fünf Meter hohen Gummistiefel neben die Hauptstraße. Zudem findet jährlich eine Weltmeisterschaft im Gummistiefel-Weitwurf statt. Rekordhalter ist der Finne Jouni Viljanen mit 65 Metern.
Mein Favorit in Sachen Touristennepp ist jedoch Baldwin Street in Dunedin. Ein Schild verrät: Es ist die steilste Straße der Welt. Klingt nach einem Scherz, doch als ich ihr einen Besuch abstattete, tummelten sich dort mehr als 30 Touristen. Schwitzend liefen sie die Straße auf und ab, um danach erschöpft in den Souvenirshop zu pilgern. Dort kann der Besucher neben den üblichen Andenken auch eine Urkunde erstehen, die bestätigt, dass er die steilste Straße der Welt erklommen hat. Preis: Zwei Euro.
Doch zurück zu Ushuaia: Gestern wollte ich im Atlas prüfen, wie weit es von hier bis zum Südpol ist. Und was entdecke ich? Puerto Williams - eine chilenische Siedlung 50 Kilometer südöstlich von Ushuaia. Letzeres ist also keineswegs der südlichste Ort der Welt. Auf meine Nachfrage im Museum wurde der Wärter grimmig: "Ushuaia ist das Ende der Welt. Puerto Williams ist kein richtiger Ort." Doch ich habe nachgeforscht: Puerto Williams hat 2.500 Einwohner, einen Flughafen und mehrere Hotels – klingt durchaus nach Ortschaft. Besuchen werde ich das wirkliche Ende der Welt jedoch nicht, denn trotz der Nähe ist Puerto Williams von Ushuaia nur im privaten Segelboot
erreichbar. Ich habe mich nicht getraut zu fragen, doch dahinter vermute ich Absicht.

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Volkssport in Taihape: Gummistiefel-Weitwurf

In: Münchner Merkur (5./6. Mai 2007)

3 Comments:

At 12:09 vorm., Anonymous Stanilson said...

Hey Pat,

wenn du meinen Gummistiefel hättest würdest du mit dem ersten Wurf wohl den Weltrekord aufstellen.

Grüße aus München und bis bald zum Grillen

Stanilson

 
At 3:10 nachm., Anonymous Anonym said...

Wenn er Deinen Gummistiefel hätte würde er wohl umfallen bevor er überhaupt zum werfen kommt... ;-)

Grüße

Mutombo

 
At 10:51 nachm., Blogger Patrik said...

Kinders, habt ihr beim Basketball denn nicht aufgepasst? Meine langen Arme waren natuerlich auch beim Bus-internen Stiefelweitwurf von grossem Vorteil, so dass ich als "Bavarian Barbarian" beinahe den ersten Platz und damit Freibier fuer den Abend erbeutet haette. Doch als letzter Teilnehmer hat mich dann doch noch Jamie aus Kanada (Statur wie ein Holzfaeller, hat vor der Reise auf einer Oelplattform gearbeitet und sieht auch so aus...) abgefangen. Naja, wenigstens ist er fairerweise am Abend mit mir zusammen trinken gegangen, auch wenn ich ihm hier ebenfalls deutlich unterlegen war (wie gesagt: die Oelplattform) und den naechsten Tag entsprechend hauptsaechlich im Hostel-Bett verbracht habe.

 

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