26 Mai 2007

Gedankensprünge in Argentinien

Nun ist es also soweit: Meine letzte Urlaubswoche hat begonnen und ich mache mich auf nach Buenos Aires. Doch der drohende Rückflug kann mich nicht irritieren, denn ich habe einen weisen Rat von Zuhause befolgt: Gar nicht über das Ende der Reise oder gar das Danach grübeln, sondern besser die verbleibenden Tage in der Ferne in vollen Zügen genießen. Das habe ich gemacht: In der schmucken Weinhauptstadt Mendoza - auch wenn ich mich im Hinblick auf meinen Magen nach der Whisky-Eskapade in Valparaiso (siehe letzter Eintrag) in Sachen Wein zurückgehalten habe - im beschaulichen San Juan und im Studentenmekka Cordoba, wo ich von Magda aus Österreich eine interessante Einführung in das legendäre Nachtleben der Stadt erhalten habe. Doch so schön all das auch war, von diesen Erlebnissen will ich hier nicht berichten. Vielmehr werde ich auf zwei Gedanken eingehen, die eigentlich in keinerlei Zusammenhang stehen, außer dass ich sie beide schon vor längerer Zeit in meinem kleinen, schwarzem Büchlein notiert habe.

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Ein Albino-Frosch: Im bizarren Aquarium von Mendoza

Erstere beginne ich am besten mit zwei Witzen aus meinem Reiseführer. "Frage: Wie begeht ein Argentinier Selbstmord? Antwort: Er stürzt sich von seinem Ego." Der Andere: "Frage: Wie erkennt man einen argentinischen Spion? Antwort: An dem Schild auf seinem Rücken 'Ich bin der beste Spion der Welt'." Ihr merkt schon, Argentinien ist nicht unbedingt das beliebteste Land in Südamerika, vor allem weil den Einwohnern eine grenzenlose Arroganz nachgesagt wird. Jene stört das jedoch herzlich wenig. In ihren Augen ist ein gewisses Überlegenheitsgefühl berechtigt, schließlich verfügen sie doch über das beste Essen (Steak), den aufregendsten Tanz (Tango), das leckerste Getränk (Mate) und natürlich die hübschesten Frauen der Welt. Mich erinnert das ganze ein wenig an Bayern - okay, abgesehen von der Sache mit dem Tanz - und vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich mich hier so wohl fühle. Denn zumindest alle Argentinier, mit denen ich gesprochen habe, waren nicht arrogant, sondern liebenswürdig und gastfreundlich. Die Steaks sind tatsächlich derart lecker, dass man selbst das letzte Stück des fußballgroßen Fleischlappens noch gierig verschlingt. Und zu den Frauen sage ich nur: Neben "Mein Spanisch ist sehr schlecht" kann ich mittlerweile einen weiteren spanischen Satz perfekt und ohne nachzudenken. Er lautet: "Entschuldigung, du kennst mich nicht, aber willst du mich vielleicht heiraten?" Dabei habe ich die Hauptstadt Buenos Aires, das Epizentrum der Steaks, der schönen Frauen und angeblich auch der Arroganz, noch nicht einmal besucht.

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Don Quichotte - als Mosaik am Plaza España in Mendoza

Was mich zu meiner anderen Geschichte bringt, oder eigentlich nicht, denn selbst nach 53 Blog-Einträgen will es mir nicht gelingen, eine Überleitung zwischen den beiden Anekdoten zu finden. Der einzige Zusammenhang: Auch Notiz Nummer zwei spielt in Argentinien, genauer gesagt in Ushuaia. Zusammen mit meiner amerikanischen Freundin Alexis hatte ich dort eine Bootstour auf dem Beagle Channel unternommen - einem von drei Verbindungskanälen zwischen Atlantik und Pazifik. Wir saßen gerade in der Kabine und wärmten uns bei einer Tasse Kaffee, als Alexis mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch kam, ebenfalls aus den Staaten. Ich hörte nur mit einem Ohr zu, denn zum einen ist Small Talk zwischen Amerikanern in etwa so aufregend wie Interviews mit Ronald Pofalla und zum anderen hatte der Kapitän gerade einen riesigen Teller mit diversen Keksen vor mir auf den Tisch gestellt, der verständlicherweise weit mehr Aufmerksamkeit verdiente. Trotzdem vernahm ich, wie die Dame zu Alexis sagte: "Du bist aber eine tapfere junge Frau" und das ließ mich aufhorchen. Schließlich ist Alexis aus Boston, einer amerikanischen Stadt, die zwar wie jede andere ihre Problemviertel hat, im Großen und Ganzen jedoch vergleichsweise sicher und zudem wunderschön ist. "Was sagt die Frau erst, wenn sie hört, dass ich in Detroit gelebt habe?" dachte ich mir. Schließlich hat das einstige Motown in den USA nicht umsonst den Spitznamen "Murder-Town". Ich wollte also gerade anfangen von Maschinengewehrsalven bei Nacht und Gang-Graffitis an den Häuserruinen der Innenstadt zu erzählen, da hörte ich, wie die Frau hinzufügte: "Schließlich reist du ganz alleine durch Südamerika."
Was folgte, war ein Hustenanfall meinerseits, da ich vor Lachen einen halben Keks verschluckt hatte. Da unterhielten sich doch tatsächlich drei Menschen aus dem Mutterland der Waffennarren und Schul-Blutbäder über die Sicherheit in Südamerika? Das ist in etwa so, wie wenn der kolumbianische Präsident seinem schweizer Kollegen Vorwürfe ob des dortigen Drogenkonsums machen würde. Naja, zumindest beinahe. Ich will betonen: Meine Aussagen beziehen sich auf die hauptsächlich von mir (und von Alexis und von dem Ehepaar) bereisten Länder Argentinien und Chile, und fraglos gibt es auch hier Kriminalität. Doch obwohl ich die Statistiken nicht kenne, würde ich die Erfahrungen meiner sieben Reisemonate verwetten, dass die dortigen Kriminalitätsraten selbst zusammen genommen nicht mit der in den USA mithalten können. Ich persönlich kann sagen: In bisher allen von mir besuchten Orten habe ich mich sicherer gefühlt, als in so mancher deutschen Stadt - ganz zu Schweigen von jeder Amerikanischen. Aber vielleicht sollte ich mit solchen Aussagen noch eine Woche warten, denn schließlich habe ich mit Buenos Aires den angeblich gefährlichsten Ort der Region noch nicht besucht. Ach verdammt! "Noch nicht in Buenos Aires" - das wäre mein Übergang zwischen den Geschichten gewesen...

1 Comments:

At 12:07 nachm., Anonymous Anonym said...

Hallo lieber Patrik,

als Übergang zwischen Deinem globalen Vagabundenleben und dem Ausblick auf die letzten Tage sei Dir an´s Herz gelegt:

Auch die Rückkehr von einer langen Reise ist doch nur ein Akt des Weiderkehrens, Innehaltens, Waschens und neuen Packens....für die nächste Reise! Ob sie Dich nun durch die Biergärten der Heimat, die Schluchten des Potomac oder die Gipfel des Himalaya führt...

Freue mich schon auf einen authentischen Reisebericht bei der einen oder anderen Maß - laß es Dir gut gehen& auf bald,

Jochen

 

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