10 Mai 2007

Von unfassbaren Wassermassen

Niagara Falls, die Kaskaden im neuseeländischen Milford Sound und die Isar-Schwelle von Ismaning - in Sachen Wasserfällen hatte ich alles gesehen. Das dachte ich zumindest. Dann besuchte ich letzte Woche das im Dreiländereck von Argentinien, Brasilien und Paraguay gelegen Puerto Iguazu, welches ich zuvor nur aus dem leider viel zu selten aufgeschlagenen Spanisch-Buch kannte. Seitdem weiß ich: Meine kleine Liste war nicht komplett. Oder besser: Über den drei genannten spielen die Iguazu Falls in einer Liga für sich. Denn selbst die donnernden Massen von Niagara an der kanadisch-amerikanischen Grenze können mit dem Wasser-Inferno am Rio Iguazu nicht mithalten. Einerseits ist es die Quantität: Nicht ein, zwei, fünf oder zehn, sondern Hunderte von Wasserfälle stürzen auf einer Länge von zwei Kilometern über das bis zu 80 Meter hohe Basaltplateau vulkanischen Ursprungs. Andrerseits ist auch die Qualität atemberaubend. Nehmt alleine den Garganto del Diablo (Schlund des Teufels): Geformt wie ein Hufeisen, donnern die Wassermassen hier gleich von drei Seiten in die Tiefe. Die aufgewirbelte Gischt ist von weitem sichtbar und in der Umgebung der Fälle stehen die Tropfen in der Luft. So ähnlich haben sich Seefahrer früher wohl das Ende der Welt vorgestellt.

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Ein Wasserfall-Inferno: Die Fälle von Iguazu

Nachdem ich dieses Spektakel jeweils einen Tag sowohl von argentinischer, wie auch von brasilianischer Seite bewundert und dabei gefühlte 300 Fotos geschossen hatte - ganz nebenbei durfte ich Brasilien als Land Nummer neun meiner Reise notieren - ging es von Puerto Iguazu weiter nach Salta, der Hauptstadt der gleichnamigen argentinischen Provinz. Auf der Landkarte erinnert die Distanz zwischen den beiden Orten ein bisschen an die Strecke von München nach Stuttgart - ein gutes Stück nach Westen und ein wenig nach Norden. Doch leider ist Argentinien nicht Deutschland und so kam mein um 21.30 Uhr in Iguazu abgefahrener Bus erst um 1.30 früh in Salta an - des übernächsten Tages wohlgemerkt, nach 28 Stunden Fahrt. Ich weiß, mancher Leser wird mich mittlerweile für einen notorischen Jammerlappen halten und die ewigen Busgeschichten nicht mehr hören können. Doch ich bitte euch: 28 Stunden! Dazu die in Geschmack und Konsistenz an Styropor erinnernden Mahlzeiten (Essenskritik - aus meinem Mund!) sowie Filme à la Seabiscuit und Transporter 2, die selbst im gemütlichen Fernsehsessel eine Qual wären.

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Nein, der Regenbogen stammt nicht aus Photoshop

Nachdem ich einen Tag die Großstadtatmosphäre in Salta genossen und danach einen Abstecher in der beeindruckenden Canyon-Landschaft von Cafayate (siehe Fotos) gemacht hatte, ging es weiter in Richtung Norden nach Humahuaca. Das 6.000 Einwohner fassende Städtchen liegt auf 3.000 Meter Höhe und ist fraglos der schönste Ort, den ich bisher in Argentinien besichtigt habe. In dem beschaulichen Stadtkern reihen sich kleine, braune Lehmhäuser in engen Gassen aus Kopfsteinpflaster und ab und zu taucht dazwischen ein blendend weißes Gebäude im spanischen Kolonialstil auf. Als ich am zweiten Tag zur Erkundung der Canyon-Landschaft um Humahuaca (die Quebrada de Humahuaca - UNESCO-Weltkulturerbe) aufbrach, traf ich am Bus-Terminal auf ein Mädchen mit Rucksack und Karte in der Hand. "De donde eres?" (Wo kommst du denn her?), fragte ich sie in der festen Überzeugung, dass sie wahrscheinlich aus Frankreich, sicher aber aus Europa kommen würde. Doch zu meiner Überraschung antwortete sie: "Argentina, Buenos Aires." Warum ich das alles erzähle? Nun, das Mädchen, Fernanda, erwies sich als äußerst sympathisch, so dass wir kurzerhand beschlossen, den Tag gemeinsam zu verbringen und zusammen die Salzwüste Salinas Grande zu erkunden. Das Wichtigste hierbei: Die ganze Zeit haben wir uns ausschließlich auf Spanisch unterhalten. Und auch wenn meine Sätze immer noch denen eines Dreijährigen gleichen, so konnte ich mich doch - meistens zumindest - mit ihr verständigen. Zugegeben, sie hat sicher mehr geredet als ich, doch das führe ich einfach einmal auf die geschlechtsspezifischen Eigenheiten und nicht auf meine mangelnden Sprachkenntnisse zurück.

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Mit Fernanda vor dem Cerro de Siete Colores

Ansonsten ist fast unbemerkt mein letzter Reisemonat angebrochen - höchstwahrscheinlich zumindest. Denn je kürzer die verbleibende Zeit wird, desto mehr wird mir bewusst, wie vielen sehenswerten Orten in Südamerika - oder selbst in Argentinien und Chile - ich wohl ungesehen den Rücken kehren muss. Dabei wären von meinem momentanen Standort aus so reizvolle Ziele wie Bolivien, der Norden Chiles und Peru mit Machu Picchu in verlockender Reichweite (verlockender Reichweite = weitere 20+ Stunden Busfahrten) - einige zusätzliche Wochen oder Monate Reisezeit vorausgesetzt. Und von Ländern wie Ecuador oder Kolumbien will ich gar nicht erst anfangen zu denken. Denn bisher zumindest halte ich weiterhin an meinem geplanten Rückflug fest und versuche mich mit einem "das nächste Mal" zu vertrösten. Denn eines steht jetzt schon fest: Südamerika und besonders die genannten Regionen stehen weit oben auf meiner Liste mit zukünftigen Reiseziele. Das Problem: Anstatt mit zunehmender Reisedauer zu schrumpfen, wird diese Liste länger und länger.

Hier findet ihr weitere Fotos von den Iguazu-Fällen (wie gesagt, hier ist meine Kamera mit mir durchgegangen) sowie von Salta und Umgebung.

1 Comments:

At 10:32 vorm., Anonymous Anonym said...

Wow! Wie immer beeindruckend!
Schön, dass es dir gut geht.

Und auch wenn es dir schwer fällt, dem allen den Rücken zu kehren...

Wir freuen uns auf dich ;)

LG aus München
Kati

 

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